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Edgar Allen Poe würde heute wohl eher über einen "Sturz in den Müllstrom" denn von einem in einen Mahlstrom erzählen.
Denn die Meere drohen an dem, was bei der Zivilisation hinten heraus kommt, zu ersticken.
Nach Schätzungen der UNEP (Umweltprogramm der Vereinten Nationen) kommen heute auf einen Quadratkilometer Ozean 18 000
Teile Plastikmüll. Doch die kostenfreie Deponie Ozean bietet Platz für viel mehr: Chemikalien, verdrecktes
Ballastwasser aus Schiffstanks, radioaktive Abfälle, Hausmüll jeglicher Art, ungeklärte Abwässer aus Städten und
Industrieanlagen, Netzreste und Alt-Munition bis hin zu kompletten Kernreaktoren der maroden russischen U-Bootflotte -
die Weltmeere verwandeln sich zunehmend in eine gigantische Mülldeponie, deren Hauptanteil aus Plastik besteht.

Netzreste aus dem Magen eines Großen Tümmlers
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Viele Meerestiere fressen die oft giftigen Teile der Müllstücke, weil sie sie für Beute halten. Auch besteht die
ständige Gefahr, dass Meerestiere sich im Müll verheddern oder selbst zu Tode strangulieren. Nach Auskunft von
Kristina Gjerde von der IUCN sterben jährlich eine Million Seevögel, 100 000 Meeressäuger und unzählige Fische an
Plastikmüll.
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Die größte Meeres-Mülldeponie ist so groß wie Zentraleuropa
Nach Angaben der Joint Group of Experts on the Scientific Aspects of Marine Protection der UNO (GESAMP) stammen 80
Prozent des Mülls im Meer vom Festland, der Rest kommt von Schiffen. Während etwa 70 Prozent des Mülls auf den
Meeresboden sinken, folgt der Rest den Meeresströmungen und sammelt sich in teilweise gigantischen Müll-Mahlströmen
im so genannten Gebiet der Äquatorialen Konvergenzzone, einer wenige hundert Kilometer breiten, den Erdball umspannenden
Tiefdruckrinne in der Nähe des Äquators. Der mit Abstand größte Müll-Mahlstrom befindet sich im Pazifik, zwischen der
Westküste der USA und Hawaii. Dort herrscht ein riesiges Hochdruckgebiet, das einen gewaltigen Meeresstrudel erzeugt.
Die dort im Uhrzeigersinn zirkulierende Mülldeponie ist mittlerweile so groß wie Zentraleuropa.
Müll wandert lange und langsam
Abfall von der nordamerikanischen Küste braucht etwa fünf Jahre, bis er im pazifischen Monster-Müllstrom landet.
Dort kann er bis zu 16 Jahre zirkulieren, bis er schließlich an die Peripherie gelangt und an die Strände von Hawaii
gespült wird.
Gegenüber der normalerweise recht aggressiven und materialfeindlichen Kombination aus Salzwasser und intensiver
UV-Strahlung erweist sich der Wohlstandsdreck als überraschend resistent und langlebig. Plastik verrottet extrem langsam,
Metalle brauchen Jahrzehnte bis sie sich im Meerwasser auflösen, bei manchen Kunststoffsorten dauert es Jahrhunderte.

Der Meeres-Müll wird auch an unsere Küsten geworfen (Foto: S. Koschinski)
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Endstation: Mensch
Irgendwann landet der ganze Dreck dann wieder bei seinen Verursachern. So gerät der Verzehr von Fisch-, Robben-, Wal-
oder Delfinfleisch, von Meeresfrüchten und anderen kulinarischen Meeres-Köstlichkeiten immer mehr zum russischen
Roulette mit Umweltgiften. Seinen Anfang nimmt das Unheil bei den Kleinstlebewesen wie Plankton, das selbst kleinste
Plastikpartikel in seine Zellen einbaut. An diese Plastikteile lagern sich hochgiftige Substanzen wie das Insektizid
DDT oder die berüchtigten, krebsauslösenden polychlorierten Biphenyle (PCB) an.
Die Konzentration der Gifte in den Kleinstlebewesen ist bereits millionenfach höher als im Meereswasser.
Fressen und gefressen werden, das ewige Grundgesetz allen Lebens, führt zum Weitertransport der Giftstoffe über die
Nahrungskette in immer höheren Konzentrationen. So stellte die japanische Supermarktkette
Okuwa Ende Dezember 2006 notgedrungen den Verkauf des in Japan noch immer beliebten Fleisches von Delfinen ein.
Mehrere Analysen von Delfinfleischproben ergaben eine 14fach höhere Quecksilberbelastung als zugelassen.
Es gibt zwar Vereinbarungen, mit denen das Müllproblem im Meer gebändigt werden soll, wie die Internationale Konvention
zur Vorbeugung der Meeresverschmutzung durch Schiffe (MARPOL). Doch die hohe See ist ein unkontrollierter, rechtsfreier
Raum. Die illegale Entsorgung von Müll bekommt man mit den bestehenden Regelungen nicht in den Griff. Da der weitaus
meiste Müll vom Festland stammt, liegt hier die Lösung des Problems. Neben strengeren Regeln und harten Strafen fordern
Meeresschützer ein Umdenken in der Müllpolitik und ein Umschwenken auf biologisch abbaubare Stoffe.
Das Meer wird uns die Rechnung präsentieren und sie auf seine Art begleichen, langsam, unerbittlich und gnadenlos.
Quellen: SZ; GRD-Presse
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