Akustische Meeresverschmutzung

Anthropogener Schall ist mittlerweile eine der größten Gefahren für Delfine und andere Meeressäugetiere. Denn ihr Gehörsinn ist hoch spezialisiert. Sie benutzen Schall, um sich mit Hilfe ihrer Echoortung ein Bild von der Umgebung zu machen oder Beute aufzustöbern. Pfiffe und Klicklaute dienen weiterhin zur Kommunikation, die zum Zusammenhalt der Gruppe oder zwischen Mutter und Kalb eine wichtige Rolle spielt.

Unsere Meere werden immer lauter. Die Globalisierung lässt den Schiffstransport erheblich zunehmen, Explorationsschiffe sind unterwegs auf der Suche nach Öl und Gas, Bohrplattformen quetschen den letzten Tropfen Öl aus dem Meeresboden, Windparks, Flughäfen und Fabriken werden ins Meer gebaut, Sand und Kies vom Meeresgrund abgebaut. Militärs benutzen laute Sonare, die für Walstrandungen verantwortlich gemacht werden, und lassen es krachen.

Anthropogener Schall macht Lebensräume unbrauchbar oder die Tiere krank. Im "Nahbereich" um Schallquellen können Delfine Gehörschäden erleiden. Besonders gefährlich ist kontinuierlicher Lärm (wie von Schiffen und Baggern) oder Schallimpulse sehr hoher Intensität (wie bei Sonaren, seismischen Geräten und Rammgeräuschen).

Ständiger Schiffslärm macht Wale taub
Ständiger Schiffslärm im Bereich von Wasserstraßen vertreibt Meeressäuger oder macht sie taub. Kommunikationslaute in ähnlichen Frequenzen wie der Unterwasserlärm werden übertönt. Man spricht dabei von einer "Maskierung". Der Breitbandschallpegel eines Supertankers kann bis zu 205 dB betragen. Einzelne drehzahlabhängige Töne erreichen 150 dB. Gehörschäden bei Meeressäugern werden bis zu einer Entfernung von 500 m vermutet. Schnell fahrende Schiffe bergen zudem ein hohes Potenzial für Störungen oder Kollisionen mit kleinen und großen Walen.


Immer mehr Schiffslärm macht Meeressäuger taub. Schiffe werden immer schneller, wodurch zusätzlich das Kollisionsrisiko erhöht wird (Foto: F. Ritter).


Rammarbeiten machen Lebensraum unbrauchbar
Bei Rammarbeiten an den Fundamenten von Offshorewindparks oder Ölfördereinrichtungen entstehen noch höhere Schallpegel (bis 218 dB). Impulshafter Schall über lange Zeiträume birgt ein Risiko für dauerhafte Gehörschäden noch in einem Abstand von über einem Kilometer. Maskierungseffekte von Rammgeräuschen werden in einer Entfernung von über 40 km vermutet und Verhaltensänderungen bei Schweinswalen noch in 20 km Entfernung dokumentiert.

Militärische Bedrohung für Delfine und Schweinswale
Für Delfine und ihre Verwandten sind die gefährlichsten militärischen Aktivitäten Unterwasserexplosionen und die Nutzung von Mittelfrequenzsonaren mit hohen Reichweiten. Diese Sonare haben einen Pegel von 235 dB. Ein Verletzungsrisiko, das Risiko für Gehörschäden, Maskierung und Störungen können noch in einer Entfernung von vielen Kilometern auftreten. Unterwasserexplosionen sind die lautesten Schallquellen. Im Bereich vieler Kilometer sind Hörschäden und Verletzungen zu befürchten.


Die bei der Sprengung einer Seemine vor Heidkate (Kieler Bucht) entstehenden Schalldrücke können Schweinswale verletzen (Foto: S. Nehring)


Die Jagd nach dem letzten Tropfen Rohöl bedroht Delfine
Unser Energiehunger führt zu erheblichen Schallbelastungen im Lebensraum der Delfine. In jeder Phase der Öl- und Gasgewinnung im Meer (Suche, Bohrung, Bau und Rückbau von Plattformen, Transport, Verschließen von Bohrlöchern durch Sprengungen) sind durch laute Schallemissionen negative Auswirkungen auf Delfine zu erwarten. Während der Exploration werden z. B. Druckluft- und Wasserkanonen und Sonare benutzt, die stark gerichtete Breitbandschallpegel von bis zu 259 dB produzieren. Einige Frequenzanteile können von Meeressäugetieren noch in weit über 10 km Entfernung wahrgenommen werden. Gehörschäden sind in einer horizontalen Entfernung von einigen 100 m zu erwarten.
GRD-Presse