Blick über den Tellerrand - delfinfreundlicher Fischkonsum?

Die industrielle Fischerei ist heutzutage die mit Abstand gefährlichste Bedrohung für das Leben in den Meeren. Gnadenlos wird mit immer größerem Aufwand auch noch der "letzte Fisch" aus dem Wasser geholt. Selbst bis in die Tiefsee dringt man heute mit Grundschleppnetzen vor und zerstört unwiederbringlich einmalige Lebensräume und Lebensgemeinschaften.

Über 70 % der Fischbestände sind bereits überfischt oder erschöpft. Fischzuchtbetriebe verunreinigen die Meere und übertragen Krankheiten und Parasiten auf Wildfischbestände. Neben der eigentlichen Beute trifft es die Tierarten besonders hart, die an der Spitze der Nahrungskette der Ozeane befinden: große Raubfische, Haie, den Blauflossenthunfisch und natürlich die Delfine. Sie verenden in großer Zahl als ungewollter Beifang oder werden ihrer Nahrungsgrundlage beraubt.


Bestände von Sandaal und Jungfische aller möglichen Arten werden industriell ausgebeutet... (Foto: S. Koschinski)


Kann man Meeresfische eigentlich noch guten Gewissens essen?
Die Frage ist nicht einfach zu beantworten, da jede Fischerei und Fischzucht die Umwelt belastet. Dennoch gibt es positive Lösungsansätze. So ist das Thunfischkontrollprogramm des Earth Island Institute (EII) für "delfin-sicher" gefangenen Dosenthunfisch das weltweit umfassendste Programm zur Erhalt der Delfine und der marinen Biodiversität.

Die Gesellschaft zur Rettung der Delphine veröffentlicht eine regelmäßig aktualisierte Liste der in Deutschland als "delfin-sicher" anerkannten und regelmäßig kontrollierten Firmen und Marken. Die angeschlossenen deutschen Importeure und Händler haben sich verpflichtet, nur Thunfisch anzubieten, der nicht mit Treibnetzen oder durch Umkreisen von Delfinen mit so genannten Ringwaden gefangen wurde.

Augen auf! - Welcher Fisch darf auf den Tisch?
Bei anderen Fischarten hilft ein Blick auf unsere Tabelle (rot: hoher Beifang von Delfinen - bitte vermeiden, orange: aufgrund von Überfischung kritisch, grün hinterlegte Fischarten kann man unbesorgt kaufen).

Trotz zum Teil widersprüchlicher Angaben bieten Einkaufsführer anderer Organisationen ebenfalls wichtige Hinweise (z.B. von Fair-Fish).

Geschenktem Barsch schaut man nicht ins Maul...

Zum Schutz von Delfinen und anderen Meeressäugetieren sollte man auf Fischarten verzichten, deren Fischerei unselektiv und mit einem hohen Beifang verbunden ist.

Bei der Schleppnetzfischerei sind dies vor allem Wolfsbarsch (Handelsname Loup de Mer), Makrelen und Sardinen aus dem Nordatlantik (die meiste Dosenware!). In der Stell- und Treibnetzfischerei ist vor allem der Fang von Blau- und Gelbflossenthunfisch (für Sushi), Schwertfisch, Kabeljau (Dorsch), Steinbutt, Scholle und atlantischen Lachs mit einer hohen Beifangrate von Delphinen und anderen Meeressäugetieren verbunden. Die meisten Bestände dieser Arten sind auch hoffnungslos überfischt. Letzteres gilt auch für Dornhai (Schillerlocken!), Hoki, atlantischen Heilbutt, Seezunge, Seehecht, Rotbarsch, Wittling, Leng und Aal.

Aus Fischzucht (Aquakultur) mit all seinen negativen Folgen für die Meeresumwelt stammen Atlantischer Lachs, Wolfsbarsch, Goldbrasse und auch immer mehr Blau- und Gelbflossenthunfisch für Sushi.


...und in Pelletform mit Antibiotika vermischt an Lachse und andere Raubfische verfüttert (Foto: S. Koschinski)


Welcher Fisch darf auf den Tisch? Bei den Meeresfischen ist derzeit der Fang von Hering, Sprotte, Seelachs (aus dem Nordatlantik), Makrele (aus Norwegen und der Nordsee), Alaska-Wildlachs sowie die Zucht von Bio-Lachsen akzeptabel.

Unser Tipp: Achten Sie auf zertifizierte oder Bio-Produkte. Der Preisunterschied ist schon aufgrund deutlicher Qualitäts- und Geschmacksunterschiede gerechtfertigt.
GRD-Presse