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Schweinswale in Nord- und Ostsee
Der Schweinswalbestand in der Ostsee ist in den vergangenen hundert Jahren dramatisch zurückgegangen. Dieser Trend ist
noch immer nicht gestoppt. Früher tummelten sich diese etwa 1,50 m langen Kleinwale in der gesamten Ostsee, vom Kattegat
bis in den finnischen und bottnischen Meerbusen. Regelmäßig im Winter mussten die Tiere die nördliche Ostsee verlassen,
da sie in den eisbedeckten Gewässern nicht zum Atmen auftauchen können. Sie wanderten zu Tausenden aus der nördlichen und
zentralen Ostsee durch die westliche Ostsee und die dänischen Belte ins Kattegat. Dänische Jäger nutzten die Wanderungen der
Tiere, um sie in den Belten zusammenzutreiben und abzuschlachten.
Zur Bedrohung durch direkten Wegfang der Tiere kommen eine Vielzahl von weiteren Problemen, die die gesamte Meeresumwelt belasten: Dazu gehört eine immer noch erhebliche Schadstoffbelastung, die Meeressäugetiere krank macht oder durch die Anreicherung über die Nahrungskette zu Unfruchtbarkeit führen kann. Weiterhin werden die Meere durch verschiedene menschliche Aktivitäten für Meeressäuger immer lauter. Dazu gehört der in der Nord- und Ostsee stark ansteigende Schiffsverkehr, seismische Erkundungen bei der Suche nach Öl- und Gaslagerstätten, Rammgeräusche beim Bau von Windparks und anderen Offshore-Einrichtungen, Kiesabbau und Baggerarbeiten, Einspülen von Pipelines und Unterseekabeln sowie militärische Übungen, bei denen es regelmäßig zum Einsatz von Sonar und zu Explosionen kommt. Diese menschlichen Nutzungsformen haben ein zum Teil erhebliches Störungspotenzial. Laute, lang anhaltende oder dauerhafte Schallemissionen können sogar das Gehör der Tiere schädigen. Und das ist für Tierarten, die sich akustisch orientieren, eine erhebliche Gefahr. Aktuell ist das Thema Unterwasserexplosionen durch Funde von Munition in der Kieler Bucht vor Heidkate, die derzeit gesprengt werden soll. Es ist zu befürchten, dass Schweinswale, die sich in einem Umkreis mehrerer Kilometer um die Explosionen aufhalten, durch die Druck- und Schallwellen geschädigt werden. In der Kieler Bucht können im Winter Schweinswale aus beiden Populationen vorkommen. Bei circa 1,5 Millionen Tonnen Munitionsaltlasten, die in der Nord- und Ostsee vermutet werden, sind Sprengungen überall eine immer wiederkehrende Gefahr. Auch beim Bau der geplanten Gaspipeline durch die Ostsee müssen Sprengkörper beseitigt werden, eine erhebliche Gefahr für die letzten Schweinswale der östlichen Ostsee. Ein auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierendes Sicherheitsprotokoll für alle lauten Schallemissionen im Meer muss dringend erarbeitet werden, um Schaden von den faszinierenden Meeressäugetieren abzuwenden. Sven Koschinski |