Der größte Delfin

Der größte Delfin ist der Orca

Der Orca, oder Schwertwal, ist mit bis zu 9,8 Metern Länge und 9 - 10 Tonnen Gewicht der größte Delfin der Welt. Die Kälber sind bei der Geburt schon 2,30 m lang und 130 bis 180 kg schwer. Sie können bis zu 80 Jahre alt werden. Der Schwertwal ist jedoch nicht nur der größte Delfin, er ist auch der Wal mit der größten weltweiten Verbreitung. Er kommt weltweit von tropischen Regionen bis an die Packeisgrenze vor. Die meisten kommen allerdings in gemäßigten nährstoffreichen Küstengewässern vor.



"Spyhopping" ist ein Verhalten, bei dem der Orca vermutlich die Überwasserwelt genau betrachtet. (Foto: G. Ellis)


Schwertwale bilden enge und stabile Familiengruppen, die jeweils eigene "Traditionen" bei Nahrungswahl, Wanderverhalten und Dialekten entwickeln. Dementsprechend ist die Lebensweise dieser Art sehr vielfältig. Die bevorzugte Nahrung reicht von Hering über Lachs und Haie, aber auch andere Meeressäuger wie Seeotter, Robben und Schweinswale. Sogar Angriffe auf Großwale, wie Blauwale, wurden beobachtet. Orcas jagen meist in kleinen Gruppen. In Nordnorwegen treiben sie Heringe zu dichten Schwärmen zusammen, die sie mit gezielten Schwanzschlägen bearbeiten, um ihre Beute zu lähmen. In Patagonien schwimmen Orcas auf den Strand, um Seelöwen und See-Elefanten zu erbeuten. Entlang der nordamerikanischen Westküste unterscheidet man drei Populationen: Lachs fressende ortstreue Tiere (engl. "residents"), nicht ansässige andere Meeressäuger fressende Tiere (engl. "transients") und die auf offener See lebenden Orcas, die sich vermutlich ebenfalls von Fischen ernähren. Im Magen eines Schwertwals aus Alaska fand man sogar Überreste eines Elchs. Vermutlich ist dieser im falschen Moment von einer Insel zur anderen geschwommen.

Von den vor der nordamerikanischen Westküste lebenden ortsansässigen Orcas wird ein matrilineares Familiensystem beschrieben. Das bedeutet, dass die Tiere zeitlebens bei ihrer Mutter bleiben. Diese Familiengruppen, die aus 2 bis 3 Generationen bestehen, stellen vermutlich unter Säugetieren neben einigen Naturvölkern die stabilsten Gesellschaften dar. Zur gegenseitigen Erkennung entwickeln die Gruppen unterschiedliche Dialekte.

Manche Schwertwalpopulationen unternehmen sehr weite Wanderungen. Die im Winter in Nordnorwegen beobachteten Orcas folgen Heringsschwärmen und finden sich im Sommer vor Island ein. Bei der Jagd wandern die Tiere täglich bis zu 200 km.

Aufgrund ihrer langen Lebenserwartung und ihrer Position an der Spitze der Nahrungspyramide sammeln sie im Laufe ihres Lebens erhebliche Schadstoffkonzentrationen an. Die fettreiche Muttermilch der Orcas ist so sehr mit Pestiziden, Flammschutzmitteln und Weichmachern belastet, dass sie unsere Lebensmittelkontrollen bei weitem nicht bestehen würde. Schwertwale sind daher extrem bedroht.

Der gezielte Fang von Orcas für Schauaquarien hat dazu geführt, dass einige Familiengruppen nur noch in Gefangenschaft weiterexistieren. Die biologische Vielfalt hat dadurch enormen Schaden genommen.


Familiengruppe von Schwertwalen (Foto: K. Wothe)

In einigen Gebieten werden die Tiere wie vor 100 Jahren als Nahrungskonkurrenten von Fischern verfolgt und getötet. Zum Glück passiert das nicht mehr allzu häufig, da man das wirtschaftliche Potenzial der Orcas erkannt hat. Der Whale-Watching-Tourismus ist für einige Populationen allerdings zu einer enormen Belastung geworden. So werden beispielsweise die vor den Küsten Vancouver Islands und Washingtons lebenden Orcas von früh bis spät von Hunderten von Booten begleitet. Der Lärm dieser Boote kann die Kommunikation der Tiere erheblich stören und zu Gehörschäden führen.